Architekturfotoausstellung von Mila Hacke
Pünktlich zum 60. Jubiläum des Endes der Berlin-Blockade, das im Mai 2009 mit einer Vielzahl von Veranstaltungen begangen wird, und im 20. Jahr des Falls der Berliner Mauer freuen wir uns, Ihnen ein besonderes Erbe alliierter Präsenz in Berlin hier im Amerika Haus präsentieren zu können.
Die Amerikanische Regierung hat in ihrer Zeit als Schutzmacht des freien Berlin einige be-merkenswerte Architekturen und Schenkungen hinterlassen: Die Kongresshalle im Tiergarten, die heute den Namen Haus der Kulturen der Welt trägt, der Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, die Akademie der Künste am Hanseatenweg oder auch das Studentendorf der Freien Universität und nicht zuletzt das Amerika Haus selbst sind zu Symbolen der Demokratie und des Freiheitswillens der Berliner geworden, aber auch Zeugnisse des guten Verhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Berlin. Mit Beginn der Studentenbewegung in den 1960er-Jahren und der sich in den 1980er-Jahren anschließenden Friedensbewegung gerieten die Bauten und insbesondere das Amerika-Haus in den Fokus öffentlichen Protests und wurden zu Orten von Straßenschlachten mit der Polizei.
Neben diesen bekannten und das Stadtbild prägenden Gebäuden präsentiert die Ausstellung aber auch einige weit gehend unbekannte und ursprünglich von der amerikanischen Armee selbst genutzte Bauten. Zu sehen sind Siedlungen, Kasernen, Krankenhäuser, Kirchen und Kinobauten von hoher architektonischer Qualität, die, durch Großformataufnahmen ins rechte Bild gesetzt, an eine wichtige Epoche der Berliner Geschichte erinnern. Durch das Auge der Kamera erfährt der Betrachter noch einmal etwas von der einstigen Strahlkraft dieser Bauten und ihrer herausgehobenen Bedeutung im Berlin der Nachkriegszeit.
Die Ausstellung konzentriert sich unter den Westmächten auf die US-Amerikaner, die als Besatzungsmacht ihre freundschaftliche Verbundenheit mit Berlin durch viele gestiftete Kulturbauten manifestiert haben und deren Militärverwaltung es gelungen ist, alle zentralen Funktionen der Besatzungsmächte in ihrem Sektor unterzubringen. Zu nennen sind der Kontrollrat, die Luftsicherheitszentrale, der Flughafen Tempelhof, die alliierten Kontroll-punkte Checkpoint Charlie und der Checkpoint Bravo.
Die Architekturfotografien, die weit gehend zwischen 2006 und 2009 entstanden, werden zudem durch Archivfotos, Luftaufnahmen und Planmaterial zeithistorisch kommentiert. Eine Hörstation mit RIAS-Originaltönen aus dem Archiv des Deutschlandradios und ein Film mit Originalmaterial des West-Berliner Stadtbildchronisten vom Landesarchiv Berlin geben dem Besucher zudem einen lebhaften Einblick in das damalige Zeitgeschehen.
Die vielen kommentierenden Textbeiträge entstanden durch Mitarbeit namhafter Architek-turexperten sowie engagierter Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft DenkmalModerne!, die sich im vergangenen Jahr mit einer Ausstellung an der Technischen Universität Berlin der Frage der Perspektive sowie des Umgangs mit diesem reichen Berliner Architekturerbe in Ost und West stellte. Die Darstellung des deutsch-amerikanischen Kulturerbes bedeutet daher die Fortsetzung des Nachkriegsmoderneprojektes und soll dazu anregen, die Hinterlassenschaft der Besatzung nicht nur als wichtige Architektur zu begreifen, sondern will ebenfalls zeigen, dass die von den Amerikanern gestifteten Kultureinrichtungen und Bauten auch für die Identität der nunmehr zusammengewachsenen Stadt von hoher Bedeutung sind.
Das Amerika-Haus als Ausstellungsort bietet sich aufgrund seiner Geschichte und Funktion als Plattform und transatlantische Kulturinstitution geradezu an. Die Fotoausstellung dort stattfinden zu lassen, ist daher von besonderem Reiz, kann der Besucher doch eines der „Geschenke der Amerikaner" in seiner architektonischen Qualität gleich selbst vor Ort in Augen-schein nehmen. Auch für das Amerika-Haus stellt sich die Frage nach seiner zukünftigen Nutzung. Die derzeitige Nutzung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die AG City als öffentliches Ausstellungs- und Kommunikationsforum scheinen ideal und stehen ganz in der Tradition des Hauses und seines ursprünglichen Bildungsversprechens.
Mila Hacke
Prof. Dr. Adrian von Buttlar
Andreas Barz
Jens-Uwe Köhler